Eine Website, die nicht funktioniert, kündigt sich selten laut an. Es kommen einfach keine Anfragen, der Traffic stagniert, niemand ruft an. Und weil keine direkte Rückmeldung kommt, bleibt das Problem oft jahrelang unbemerkt.
Dieser Artikel zeigt die konkreten Symptome, an denen Du erkennst, dass Deine Website nicht das leistet, was sie sollte, und was hinter jedem dieser Symptome steckt.
1. Die Seite taucht bei Google kaum auf
Wer nach Deinem Unternehmensnamen sucht und die Seite nicht findet, hat ein technisches Problem. Wer nach Deiner Leistung in Deiner Stadt sucht und nicht unter den ersten Ergebnissen auftaucht, hat ein SEO-Problem.
Beides ist lösbar, aber zuerst muss man es wissen. Der schnellste Check: Gib site:deinedomain.de in Google ein. Wenn kaum Seiten erscheinen oder wichtige Unterseiten fehlen, ist die Seite entweder schlecht indexiert oder aktiv aus dem Index ausgeschlossen. Beides passiert häufiger als man denkt, manchmal durch eine falsch gesetzte Einstellung im CMS, die niemand bemerkt hat.
2. Besucher kommen, aber niemand fragt an
Das ist das häufigste Symptom und gleichzeitig das am schwersten zu akzeptierende: Die Seite hat Besucher, aber die Anfragen bleiben aus.
In diesem Fall liegt das Problem fast immer auf der Seite selbst, in der Nutzerführung, in der Kommunikation oder im Vertrauen. Wer nur den Traffic optimiert, ohne zu verstehen, was danach mit den Besuchern passiert, investiert am falschen Punkt. Das Ziel einer Unternehmenswebsite ist eine Anfrage, alles andere ist Mittel zum Zweck.
Eine realistische Conversion-Rate für lokale Dienstleister mit gut aufgebauter Website liegt zwischen 3 und 6 Prozent. Wer dauerhaft unter 1 Prozent liegt, hat ein konkretes Problem auf der Seite, kein Traffic-Problem.
3. Die Absprungrate ist hoch
Eine hohe Absprungrate bedeutet: Besucher kommen auf die Seite und verlassen sie, ohne weiterzuklicken. In Google Analytics erkennst Du das am Engagement-Anteil oder an der durchschnittlichen Verweildauer.
Wenn Besucher nach wenigen Sekunden wieder weg sind, hat die Seite ihren ersten Eindruck nicht bestanden. Das kann am Design liegen, an einer unklaren Botschaft auf der Startseite, an zu langer Ladezeit oder daran, dass der Besucher sofort merkt, dass er hier nicht das findet, was er gesucht hat.
Aus meiner Erfahrung mit Audits gilt: Eine Absprungrate über 70 Prozent ist bei Unternehmenswebsites ein deutliches Signal, dass etwas nicht stimmt. Ausnahmen gibt es, zum Beispiel bei Seiten, auf denen Besucher gezielt eine Telefonnummer suchen und dann anrufen. Deshalb sollte man das immer im Kontext bewerten.
4. Die Seite lädt langsam
Ladezeit ist einer der wenigen Faktoren, bei dem es eine klare Schwelle gibt: Lädt eine Seite auf dem Smartphone länger als drei Sekunden, verlässt ein erheblicher Teil der Besucher sie, bevor sie überhaupt etwas gesehen hat. (Google/SOASTA, 2017)
Du kannst Deine Ladezeit kostenlos mit Google PageSpeed Insights messen. Ein Score unter 50 auf mobilen Geräten ist ein ernstes Warnsignal. Die häufigsten Ursachen sind unkomprimierte Bilder, zu viele gleichzeitig geladene Plugins, fehlendes Caching und günstiges Shared Hosting, das bei normalem Traffic bereits ans Limit kommt.
5. Auf dem Smartphone ist die Seite kaum nutzbar
Mehr als 60 Prozent des Web-Traffics kommt heute von mobilen Geräten. (Statcounter, 2025) Eine Website, die auf dem Desktop gut aussieht, aber auf dem Smartphone horizontal gescrollt werden muss, Buttons zeigt, die mit dem Daumen nicht erreichbar sind, oder Texte in einer Schriftgröße darstellt, die niemand ohne Zoomen lesen kann, verliert die Mehrheit ihrer Besucher.
Der einfachste Test: Ruf Deine Seite auf dem eigenen Smartphone auf und versuche, das Kontaktformular auszufüllen. Wenn das frustrierend ist, ist es für jeden anderen Besucher genauso.
6. Das Kontaktformular funktioniert nicht zuverlässig
Das klingt nach einem offensichtlichen Problem und ist trotzdem erstaunlich häufig. Formulare zeigen nach dem Absenden keine Bestätigung. Anfragen landen im Spam-Ordner, ohne dass es auffällt. Felder werden auf dem Smartphone falsch dargestellt. Und manchmal deaktiviert ein Plugin-Update das Formular still und leise, ohne dass jemand es bemerkt.
Wer sein Kontaktformular nicht regelmäßig selbst testet, mindestens einmal pro Quartal, weiß nicht, ob Anfragen ankommen oder im Nirgendwo verschwinden. Das ist kein seltener Einzelfall.
7. Du weißt nicht, was auf der Seite passiert
Wenn Du nicht weißt, wie viele Besucher Deine Seite hat, welche Seiten sie besuchen und wo sie abspringen, dann kannst Du auch nicht wissen, was funktioniert und was nicht. Jede Entscheidung über die Website ist dann eine Vermutung.
Google Analytics und die Google Search Console sind kostenlos und liefern die wichtigsten Informationen. Wenn beides nicht eingerichtet ist oder seit dem letzten Relaunch keine Daten mehr liefert, fehlt die Grundlage für jede Entscheidung über die Website.
8. Die Inhalte passen nicht mehr zum Unternehmen
Manche Leistungen bietet das Unternehmen längst nicht mehr an. Preise wurden seit Jahren nicht aktualisiert. Auf den Fotos ist ein Unternehmen zu sehen, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Und die Texte beschreiben oft noch das Angebot von vor drei Jahren.
Veraltete Inhalte sind mehr als ein ästhetisches Problem. Sie erzeugen Misstrauen und können Besucher in die falsche Richtung schicken, bevor das erste Gespräch stattgefunden hat. Wenn ein Interessent anruft und nach einer Leistung fragt, die auf der Website steht, aber längst nicht mehr angeboten wird, ist das eine direkte Konsequenz veralteter Inhalte.
9. Besucher finden sich nicht zurecht
Navigationen mit zehn oder mehr Hauptpunkten, von denen die Hälfte auf Seiten führt, die kaum jemand aufruft, sind eines der häufigsten Probleme, die ich in Audits sehe. Dazu kommen Unterseiten ohne erkennbare Verbindung zur Startseite oder Seiten, die im Menü fehlen, aber irgendwo im Text verlinkt sind. Auf dem Smartphone funktioniert das Menü dann oft noch anders als auf dem Desktop.
Besucher, die sich nicht zurechtfinden, suchen die Information woanders, ohne Kommentar, ohne Rückmeldung. Das Unternehmen sieht nur, dass keine Anfrage kommt.
10. Du schämst Dich, die URL zu teilen
Das ist das ehrlichste Warnzeichen von allen. Wenn Du beim Networking zögerst, Deine Website-Adresse zu nennen, oder beim Versenden Deiner E-Mail-Signatur hoffst, dass niemand auf den Link klickt. Wenn Du Kunden lieber mündlich erklärst, was Du machst, statt auf die Seite zu verweisen.
Dieses Gefühl ist ein Signal, und es lohnt sich, ihm zu trauen.
FAQ
Wie viele dieser Warnzeichen muss ich haben, um aktiv zu werden?
Eines reicht. Jedes dieser Symptome kostet Dich Anfragen, die Du nicht siehst, weil sie nie gestellt werden. Wer mehrere erkennt, hat in der Regel ein systemisches Problem, das sich durch einzelne Anpassungen nicht vollständig lösen lässt.
Wie finde ich heraus, welches Problem bei mir das größte ist?
Mit einem strukturierten Website Audit. Er zeigt, wo Besucher abspringen, was technisch nicht stimmt, ob die Nutzerführung funktioniert und ob die Kommunikation das Richtige sagt, und das in priorisierter Reihenfolge, damit Du weißt, wo Du anfangen sollst.
Muss ich die Website komplett neu machen, wenn mehrere Warnzeichen zutreffen?
Nicht zwingend. Manchmal reichen gezielte Eingriffe, ein überarbeitetes Kontaktformular, eine klarere Startseite, komprimierte Bilder. Manchmal ist ein Relaunch die wirtschaftlichere Entscheidung. Das lässt sich erst nach einer Analyse sagen.
Was ist eine normale Conversion-Rate für eine Unternehmenswebsite?
Für lokale Dienstleister mit gut aufgebauter Website sind 3 bis 6 Prozent realistisch. Das bedeutet: Von 100 Besuchern stellen 3 bis 6 eine Anfrage. Wer dauerhaft unter 1 Prozent liegt, hat fast immer ein strukturelles Problem auf der Seite.
Wie teste ich mein Kontaktformular?
Schick Dir selbst eine Testanfrage, mit einer E-Mail-Adresse, die Du kontrollierst. Prüfe, ob die Bestätigungsnachricht erscheint und ob die Anfrage im Postfach ankommt statt im Spam zu landen. Wiederhole das mindestens einmal pro Quartal.
Was kostet es, diese Probleme zu beheben?
Das hängt stark davon ab, welche Probleme vorliegen und wie tief sie sitzen. Kleine Anpassungen kosten wenig, ein vollständiger Relaunch mehr. Ein Website Audit zeigt, was tatsächlich nötig ist, bevor Du in etwas investierst, das das eigentliche Problem nicht löst.




