WordPress, Typo3 oder Joomla laufen alle nach einem ähnlichen Prinzip: eine Datenbank im Hintergrund, eine Verwaltungsoberfläche zum Pflegen von Inhalten und ein Theme, das die Darstellung übernimmt. Daneben hat sich eine Gruppe modernerer Ansätze etabliert – Astro, Next.js, Webflow, Framer –, die technisch sehr unterschiedlich funktionieren, aber ähnliche Vorteile bieten. Dieser Artikel ordnet ein, wo der eigentliche Unterschied liegt.
Was ein klassisches CMS ausmacht
Ein klassisches Content-Management-System wie WordPress baut jede Seite bei jedem Aufruf neu zusammen: Der Server fragt die Datenbank nach Inhalten, verarbeitet sie mit dem gewählten Theme und liefert erst dann die fertige Seite an den Browser aus. Das macht das System flexibel, weil sich fast jede Funktion über ein Plugin nachrüsten lässt.
Der Preis dafür zeigt sich mit der Zeit: Jedes Plugin bringt eigenen Code mit, der gepflegt werden muss, und je mehr Erweiterungen zusammenkommen, desto stärker leidet meist die Geschwindigkeit der Seite.
Ein ausführlicher technischer Vergleich zwischen WordPress und einer modernen Alternative findet sich hier."Astro oder WordPress?"
Was moderne Ansätze verbindet
Astro, Next.js, Webflow und Framer funktionieren technisch grundverschieden. Astro und Next.js sind Code-Frameworks für Entwickler, Webflow und Framer sind visuelle Baukästen ohne klassische Programmierung. Trotzdem landen sie inzwischen oft in derselben Kategorie, weil sie ein gemeinsames Prinzip teilen: Die ausgelieferte Website enthält deutlich weniger unnötigen Code als eine gewachsene CMS-Seite mit vielen Plugins.
Bei Astro und Next.js entsteht dieser schlanke Code, weil Seiten beim Bauen bereits fertig erzeugt werden, statt bei jedem Aufruf neu zusammengesetzt zu werden – Next.js kann bei Bedarf zusätzlich Inhalte serverseitig nachladen, was es auch für komplexere Web-Anwendungen geeignet macht, nicht nur für klassische Websites. Bei Webflow und Framer entsteht der schlanke Code, weil beide Tools von Grund auf für sauberen, optimierten Code-Output entwickelt wurden – ganz ohne das Plugin-Prinzip von WordPress.
Webflow und Framer werden zwar oft in einem Atemzug genannt, sind aber nicht gleich mächtig. Webflow ist das ältere, technisch tiefere Tool mit ausgebauter CMS-Logik und E-Commerce-Funktionen, eher gedacht für größere und komplexere Websites. Framer ist jünger, kommt ursprünglich aus dem Prototyping und punktet vor allem mit Geschwindigkeit und Animationen – die CMS-Funktionen sind einfacher gehalten. Für einen umfangreichen Firmenauftritt spricht das eher für Webflow, für Landingpages oder Portfolios mit viel visueller Dynamik eher für Framer.
Zwei Wege innerhalb der modernen Ansätze
Innerhalb der modernen Ansätze lohnt sich eine weitere Unterscheidung: Code-basierte Frameworks wie Astro bieten volle gestalterische und technische Freiheit, setzen für Erstellung und größere Änderungen aber Entwicklerwissen voraus. Visuelle Baukästen wie Webflow und Framer lassen Design und Struktur dagegen direkt am Bildschirm anpassen, ohne dass dafür Code geschrieben werden muss.
Welcher Weg im Einzelfall passender ist, hängt vor allem davon ab, wie oft und wie umfangreich später selbst Änderungen vorgenommen werden sollen.
Daneben gibt es noch einen dritten, unabhängigen Weg: Headless CMS. Dabei wird der Content komplett vom Frontend getrennt – Inhalte werden in einem eigenen System gepflegt, die Darstellung übernimmt ein beliebiges Frontend, zum Beispiel Astro oder Next.js. Das ist keine Alternative zu den beiden oben genannten Wegen, sondern eine zusätzliche Dimension der Entscheidung. Dazu folgt ein eigener Artikel.
Unterschiede im Alltag: Wartung, Kosten, Content-Pflege
Bei der Wartung liegt der größte praktische Unterschied: Ein klassisches CMS braucht laufende Updates für System, Theme und Plugins. Moderne Ansätze reduzieren diesen Aufwand erheblich, weil es kein vergleichbares Plugin-Geflecht gibt, das gepflegt werden müsste.
Bei den Kosten verschiebt sich der Schwerpunkt. WordPress-Hosting mit Datenbank ist im laufenden Betrieb oft günstiger als eine Webflow- oder Framer-Lizenz, dafür entstehen bei WordPress regelmäßig Kosten für Wartung und gelegentliche Sicherheitsupdates, die bei den moderneren Tools entfallen.
Bei der Content-Pflege unterscheiden sich die Ansätze am wenigsten stark, als der technische Unterschied vermuten lässt. WordPress bietet mit seiner Verwaltungsoberfläche einen bekannten Standard, Webflow und Framer haben eigene, ähnlich zugängliche Editoren. Auch bei Astro lässt sich über ein angebundenes System selbstständig pflegen, was regelmäßig geändert werden soll.
Wann ein klassisches CMS trotzdem die richtige Wahl ist
Bei sehr umfangreichen Content-Websites mit vielen Autoren oder komplexen Redaktionsabläufen bleibt ein klassisches CMS oft die pragmatischere Lösung – genauso, wenn bereits ein etabliertes Plugin für eine benötigte Spezialfunktion existiert. Auch bei sehr begrenztem Budget für die Ersterstellung kann WordPress mit einem bestehenden Theme schneller online gehen als eine individuell gestaltete moderne Website.
Für die meisten Unternehmenswebsites mit überschaubarer Seitenzahl sprechen die praktischen Vorteile aber eher für einen der moderneren Ansätze.
Nicht mit eingerechnet ist hier der Sonderfall Online-Shop: Für Shops gelten andere Kriterien und andere Tools, etwa Shopify oder WooCommerce. Dazu folgt ein eigener Artikel.
FAQ
Ist Webflow dasselbe wie ein CMS?
Webflow bringt eine eigene CMS-Funktion für strukturierte Inhalte wie Blogartikel mit, arbeitet dabei aber technisch anders als WordPress und erzeugt deutlich schlankeren Code.
Brauche ich für Framer oder Webflow Programmierkenntnisse?
Für die Erstellung nicht, beide Tools sind für die visuelle Gestaltung ohne Code konzipiert. Für sehr spezielle Funktionen lässt sich bei Bedarf trotzdem zusätzlicher Code einbinden.
Ist ein moderner Ansatz automatisch schneller als WordPress?
In der Regel ja, weil weniger überflüssiger Code mitgeliefert wird. Eine sehr schlank aufgesetzte WordPress-Seite kann eine schlecht optimierte moderne Website im Einzelfall trotzdem überholen.
Lohnt sich ein Wechsel von WordPress zu einem moderneren Ansatz?
Das hängt vom Zustand der aktuellen Seite ab. Bei hohem Wartungsaufwand oder wiederkehrenden Performance-Problemen lohnt sich ein Wechsel häufig, bei einer gut laufenden Seite ohne diese Probleme weniger.
Welcher der modernen Ansätze passt zu meinem Unternehmen?
Das hängt vor allem davon ab, wie individuell die Website gestaltet sein soll und wie oft später selbst Änderungen anfallen. Eine genauere Einordnung dazu folgt in einem eigenen Artikel zum Vergleich von Webflow, Framer und Custom Code.
